Szenen
Posted on August 20th, 2008 by Steines
In der Kindheit beginnen die Szenen mit dem fünfjährigen Moische, der zum Leidwesen seiner Eltern nicht spricht und deshalb eine lange Erfahrung mit den verschiedensten Ärzten macht. Moische überrascht seine Eltern eines Tages mit dem Ausspruch: "Der Kakao schmeckt beschissen heute!" Für diese Aussage bringen seine Eltern ihm allerdings höchste Begeisterung entgegen, der Junge spricht... Auf die Frage, warum er bis zu diesem Tag nicht gesprochen hätte, sagt er nur ruhig: "Bis jetzt war ja alles in Ordnung."
Goldfarb entwickelt seine Biografie und stellvertretend die Rolle der Juden in Deutschland anhand kleiner Episoden und Erlebnisse. Goldfarb möchte ein gewöhnlicher Mensch sein, er sucht keine Sonderbehandlung oder Schutzmaßnahmen für seine "Spezies". Er fühlt sich angegriffen durch die Einladung in den Sozialkundeunterricht, seine Aussage: "Ich eigne mich nicht als Forschungsobjekt. Noch bin ich nicht reif fürs Museum. Noch will ich nicht ausgestopft werden. Aufgespießt." bringt seine Verzweiflung zum Ausdruck, als etwas Absonderliches vor den Schülern dargestellt zu werden.
Er lehnt diese Art der Ungleichbehandlung ab und sieht darin eine Entwertung seiner Identität, seiner Person und seiner Menschenrechte. Die Tatsache, dass es für die aufwachsende Generation keine Selbstverständlichkeit in der Akzeptanz Andersartiger gibt und Lehrer ihnen Individuen einer solchen absonderlichen Spezies im Unterricht vorführen wollen, lässt Goldfarb in eine wütende Ekstase fallen. Sein Leben, seine Existenz ist davon im Innersten bedroht, ähnlich zu Zeiten des Holocaust. In Frage zu stellen, wer in Deutschland ganz selbstverständlich ein Zuhause haben kann, scheint ihm wie eine Entwürdigung seiner selbst.